Ein sehr persönlicher Beitrag

Wer gehört alles zur Familie

Ihr Lieben,

lange ist es hier sehr still gewesen. Urlaubszeit in Kanada! Wer auf Instagram mitliest, konnte die gesamte Reise verfolgen. Wir hatten eine tolle Zeit.

Ursprünglich wollte ich die „freie“ Zeit nutzen, um einige Artikel zu schreiben, aber Ihr wisst ja, wie das so ist mit Plänen mit Kindern. Ich habe in den drei Wochen Kanada genau 2 Mal meinen Laptop geöffnet. Beim ersten Mal war ich erstaunt festzustellen, dass aufgrund meines Gastartikels mein Blog gar nicht so still war, wie befürchtet.

Ich hatte mich während des Urlaubs gefragt, ob ich mit dem Bloggen neben Kind und Kegel überhaupt weitermachen wolle. Es kostet eine heiden Zeit und ungeduldig, wie ich bin, hab ich vielleicht nicht genug langen Atem, um zu warten, bis sich die Anzahl meiner Leserschaft „rentiert“. Versteht mich nicht falsch, Ihr seit mir alle lieb und teuer, die von Anfang an mitlesen. Aber ich möchte meine Message ja doch breiter streuen und erreichen, dass mehr Eltern über einen liebevolleren, ungestressteren Umgang mit ihren Kindern nachdenken. Also habe ich mich auch gefragt, warum mache ich das alles überhaupt?

Als ich beim zweiten Mal, das war am letzen Tag des Urlaubs, kurz vor dem Auschecken, in meinen Laptop geguckt habe, fand ich im Emailfach des Blogs eine Email! Ich war total aufgeregt, denn selten schreibt jemand dort hin.

Die Email kam von einer mir unbekannten Frau, Mutter zweier schon großer Kinder, die mir berichtete, sie habe am Wochenende lange mit ihrem Vater über das Leben gesprochen. In diesem Zuge sei auch mein Name gefallen und sie habe sich daraufhin auf die Suche nach mir gemacht. Wo sucht man heute: im Internet!

Ich war beim Lesen inzwischen unglaublich aufgeregt, den es hörte sich so an, als sei ihr Vater bereits mein Leser und hätte Werbung für mich gemacht. Ein törichter Gedanke. Sie schrieb also weiter, dass sie so auf meinen Blog aufmerksam geworden sei. Es ging also gar nicht um den Blog. Aber worum ging es dann?

Eine Familiengeschichte

Sie schrieb mir, dass ihr meine Themen auf dem Blog gefielen und wir vieles ähnlich sehen würden und noch eine Gemeinsamkeit hätten: wir sind Cousinen!

Ich saß am Ende der Welt, an einem wunderbaren Ort, direkt am Meer und mir rannen die Tränen über das Gesicht. Diese Frau ist die mir bisher unbekannte Tochter meines Onkels. Dem Bruder meines Vaters. Über ihn habt ihr hier bisher sehr wenig gelesen, denn ich habe seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihm. Aber das ist eine andere Geschichte. Noch viel länger, haben die Brüder keinen Kontakt, und als diese getrennte Wege gingen und ich noch Kontakt zu meinem Vater hatte, habe ich bereits den Kontakt zu meinem Onkel und dessen Familie verloren.

Glücklicher Weise hatte meine Cousine mir in der Email ihre Nummer hinterlassen, so dass ich gleich vom Strand Kontakt zu ihr aufnahm. Ich könnt Euch gar nicht vorstellen, wie viel wir uns zu berichten hatten und wie glücklich ich war, zuhören, dass es auch der Familie meines Onkels gut ging und erfuhr, was alle inzwischen so machten.

Familienangelegenheiten

Ist das nicht schade! Aus einem MIR völlig unbekannten Grund (ich glaube es hatte etwas mit den Großeltern zu tun?!) hatte die Streitigkeit der Brüder dafür gesorgt, das auch ICH ein Stück Familie verloren habe! Mein Onkel, seine Frau und meine Cousins (die zwei Jungs waren mir schon immer bekannt!) auch. Aber wie das in solchen Familienangelegenheit so ist, Kinder werden nicht gefragt, und haben auch keine Chance, den Kontakt selbstständig aufrechtzuerhalten.

Warum ist das so? Wieso kann man nicht einen „geordneten“ Umgang miteinander pflegen, auch wenn man geteilter Meinungen ist? Aus welchem Grund sind die schlimmsten Feindschaften Familienangelegenheiten? Ich kann darüber nur Vermutungen anstellen: weil man sich so wahnsinnig gut kennt, dass man sich gegenseitig so unglaublich heftig verletzen kann.

Kontaktabbruch ist vermutlich die leichteste Variante damit umzugehen. Aber ist es die Beste? Logischer Weise löste die Email in mir auch eine Welle an Gefühlen und Gedanken in Bezug auf meinen Kontaktabbruch zu meinem Vater aus. Wäre es nicht richtig, die Jungs hätten Kontakt zu ihrem Opa? Dazu vielleicht Mal ein anderes Mal.

Zurück zu meiner Cousine

Warum hatte ich bisher nichts von ihr gewusst? Meine (Halb-) Cousine hatte erst mit 14 Jahren erfahren, dass mein Onkel ihr Vater war, aber so wirklich erst seit einigen Jahren regelmäßigen Kontakt zu ihm. Bisher weiß ich nur, dass ihre Mutter es ihr nicht gesagt hatte, wer ihr Vater sei und sie sich mit 14 Jahren selbst auf die Suche gemacht hatte. Schon wieder rannen mir viele Tränen über das Gesicht und ich konnte so sehr mit diesem armen kleinen Mädchen mitfühlen! Als Tochter einer alleinerziehenden Mutter, versuchte mein Kopf gleichzeitig zu überlegen, was die Mutter wohl dazu bewogen hatte. Mich interessieren ja beide Seiten einer Medaille. Vielleicht kann ich das irgendwann mal herausfinden…

Kontaktabbruch und Kontaktaufnahme

Aus welchem Grund hatten mein Onkel und sie eigentlich über mich gesprochen? Er war vor einiger Zeit sehr schlimm krank und es geht ihm wohl nicht sehr gut. Zum Lebensabend überlegt er, wieder Kontakt zu seinem Bruder, meinem Vater aufnehmen. Das gibt es bei langen Kontaktabbrüchen häufig, dass man nach so vielen Jahren eigentlich gar nicht mehr so recht weiß, warum der Kontakt abgebrochen wurde. Erst kürzlich berichtete mir eine Freundin genau von so einem Fall in ihrer Familie. Nach Jahren ist der eigentliche Streit nicht mehr wichtig. Kennt ihr das auch? Oder haben nur wir so eine verrückte Familie?

Ihr kennt mein Leitmotiv für diesen Blog: eine glückliche Familie. Wie groß definiert sich eine solche Familie, um glücklich zu sein? Wer zählt nicht nur genetisch, sondern offiziell dazu? Wieso gibt es Hochzeiten, Taufen, Einschulungen und andere Familienfeiern, zu denen bestimmte Familienmitglieder grundsätzlich nicht eingeladen sind?

Wenn meine Cousine und ich uns hoffentlich bald zum ersten Mal persönlich treffen, gibt es sicherlich so viel zu erzählen. Wir werden uns nicht nur viele Familiengeschichten erzählen, die die jeweils andere noch nicht kennt, sondern auch darüber sprechen, was es für Kinder bedeutet, zu wissen, wer ihre Eltern sind, aber keinen Kontakt zu ihnen haben zu wollen, bzw. sie nicht zu kennen und seine Wurzeln suchen zu wollen! Wir beide sind beste Gesprächspartner dieses Themas, das wir gemeinsam von verschiedenen Seiten beleuchten können und und so vermutlich gut ergänzen können.

Wie geht es weiter?

Auf jeden Fall weiß ich jetzt schon mal, warum ich diesen Blog eingerichtet habe: nur so konnte sie mich (online) finden und ich habe dadurch ein Stück Familie dazu gewonnen. Und bin Nummer einige Erkenntnisse reicher geworden. Das macht mich irre glücklich und rechtfertigt den „Aufwand“ alle mal! Aber wie soll es nun hier weitergehen, nachdem dieses Ziel erreicht ist? Ich vermute, es gibt keine weiteren, mir bisher unbekannten, Familienmitglieder, die mich so finden werden.

Wollt Ihr weiterhin von mir lesen? Welche Themen interessieren Euch am meisten? Zum Thema Kindererziehung, berufstätige Mama, oder solche Familiengeschichten? Wenn Euch meine Beiträge gefallen, teilt meine Beiträge in den Social Media, oder über WhatsApp und leitet mich an Freunde und Bekannte weiter.

Freue mich von Euch zu hören!

Alles Liebe,

Giulia

2 Replies to “Ein sehr persönlicher Beitrag”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: