Putzen!?

Selber putzen oder outsourcen?

Ihr Lieben, es ist schon eine gute Weile her, dass ich in einem Arztzimmer einige Zeit warten musste. Der Arzt hatte ein supervolles Bücherregal und so überbrückte ich die Wartezeit damit, mich umzuschauen. Plötzlich fiel mein Blick auf ein Buch, dass er quasi quer zur Bücherreihe vor die Buchreihe gestellt hatte. Der Titel hieß: Putzen!?

Der Titel irritierte mich sofort und weckte doch mein Interesse. Es kam mir fast vor, als hätte der Doc es extra für mich so auffällig hingestellt. Denn ich hätte die Worte Putzen und Leidenschaft niemals in einem Satz miteinander verbunden. Leider kam der Arzt kurz darauf ins Zimmer und die Behandlung ging weiter.

Der Titel aber rumorte in meinem Kopf und so googelte ich das Buch. Irgendetwas hatte mein Interesse geweckt. Und so las ich was es mit dem Buch auf sich hatte.

Viele von uns beauftragen Raumkosmetikerinnen, Perlen, oder Haushaltshilfe, um nicht zu sagen, dass sie eine Putzfrau beschäftigen. Als berufstätige Familien, die viel um die Ohren haben, ist es total naheliegend, sich Hilfe zu holen und Aufgaben outzuscourcen. Lieber Qualitytime mit der Familie verbringen.

Ich erinnere mich noch gut, als ich damals mit zwei ganz kleinen Kindern mit meinem Mann darüber sprach, uns externe Unterstützung zu leisten, um wöchentlich eine Grundsauberkeit im Haushalt sicherzustellen. Wir hatten aber große Probleme, jemanden zu finden, der bereit war, auf Rechnung zu arbeiten. Denn wir wollten auf keinen Fall schwarz zahlen. Zum Glück wurden wir dennoch fündig, aber die Freude währte nicht lange. Entweder war unser Auftragsvolumen nicht groß genug, oder die Damen kehrten irgendwann in ihre Heimat zurück.

Und noch etwas war problematisch, meine Zufriedenheit mit dem Ergebnis. Es gab Stellen im Haus, an denen ich immer wieder feststellen konnte, dass derjenige nicht den gleichen Blick haben konnte, wie ich. Schließlich ist es ja mein, unser Zuhause! Mir wurde bewusst, dass jemand, dem die Wohnung und Möbel nicht am Herzen lagen, sie NIE so behandeln würde, wie ich selbst.

Also doch: Putzen!?

In diesem Zusammenhang kommt ein Gedanke aus der Buchbeschreibung zum Tragen: warum behandeln wir die Dinge, die uns am Herzen liegen, nicht mit der Liebe, die ihnen zuteil werden sollten? Dinge, die mir am Herzen liegen, kann auch nur ich mit einer besonderen Behandlung wertschätzen, weil sie für mich diesen besonderen Wert haben!

Versteht mich nicht falsch. Wenn ich von Liebe und Wertschätzung zu Einrichtung bzw. Möbeln schreibe, meine ich z.B, dass man die zum Tisch perfekt passenden Stühle viele Jahre gesucht hatte, oder den von der Oma geerbten Lieblingssessel. Das Familienfoto mit allen Generationen, den Schreibtisch des Vaters oder andere Kostbarkeiten, deren Wert niemand anderer erfassen kann, als man selbst. Wer, wenn nicht ich, würde sich am besten darum kümmern? Denjenigen, den ich dafür bezahle, kann diese Empfindung logischer Weise nicht mitbringen.

Selber Putzen!?

Statt wieder mühsam eine neue Hilfe zu suchen und sie einzuarbeiten, beschloss ich, meine eigene Einstellung zur Haushaltstätigkeit zu ändern. Ich fing an, es nicht als Belastung zu sehen, sondern als bewusste Auszeit. Nicht umsonst gehören Aufgaben des täglichen Lebens zur Meditation der buddhistischen Mönche. Ich sehe vor meinem inneren Auge immer wieder das Bild des Mönchs, der unermüdlich den Hof fegt. Aber immer wieder fallen Blätter herunter.

Ausschlaggebend ist – wie bei allem im Leben – die innere Einstellung.

Vermutlich ist es, nicht mehr ganz so blitzsauber, wie früher. Eine wichtige Übung für mich, um von meinem Anspruch an Perfektion herunterzukommen. Es ist mit Sicherheit nie so dreckig, das jemand ernsthaft krank würde;-).

Und mir ist auch wohler dabei, mein Zuhause nicht einer fremden Person zu überlassen. Vielleicht ist das auch der Grund, warum bei vielen die Putzfrau kommt, wenn man selbst auch zuhause ist. Das habe ich früher nie verstanden.

Grundsätzlich klappt es ohne externe Hilfe auch nur, wenn wir alle zusammenhelfen. Auch dieser Aspekt ist durchweg positiv. Man achtete nun mehr darauf, wie man mit den Sachen und dem Dreck umgeht, wenn man ihn auch selbst wieder aus der Welt schaffen wird. Tatsächlich machen bei der Hausarbeit die Kinder immer gerne mit. Es freut sie, selbst wichtige Aufgaben zu übernehmen und Verantwortung zu tragen. Saugen und Wischen steht hoch im Kurs, ebenso Wäsche sortieren. Auch hier lasse ich los und freue mich über die Hilfe und kritisiere nicht das Ergebnis. Das konnte ich früher nicht so gut.

Zudem bin ich mir dessen bewusst geworden, welches Vorbild wir unseren Kindern sein wollen:

Nun leben wir unseren Kindern vor, dass

-nicht andere für uns die „Drecksarbeit“ übernehmen müssen

-man für Dinge, die einem wichtig sind, selbst die Verantwortung übernimmt

-Werte nur erhalten bleiben, wenn man sie hegt und pflegt

-Hausarbeit zum Leben dazugehört

-Putzen tatsächlich eine Leidenschaft sein kann

Ihr Lieben, bitte fühlt Euch in keinster Weise durch meine Sichtweise beeinflusst! Falls Ihr im Haushalt Unterstützung habt, ist das wunderbar! Jeder trifft die für sich richtige Entscheidung. Wichtig ist, dass es für einen selbst (und den Rest der Familie) stimmig ist. Niemand hat das Patentrezept. Aber vielleicht helfen Euch meine Gedanken in Bezug auf etwas völlig anderes. Das Thema Putzen!? ist nur ein Synonym für die innere Haltung, von der ich sprechen wollte.

Wir haben für die Reinigung der Böden übrigens einen Saugroboter gekauft. Aber wir saugen dann doch schneller per Hand und vergessen, ihn einzuschalten;-).

In Sinne, macht es Euch schön zuhause. Auf welche Weise auch immer.

Alles Liebe,

Giulia

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